Geschichte der Siedlung Cornberg

Eigentlich wäre anzunehmen, dass die Entwicklung von Kloster und Dorf über die Jahrhunderte eng miteinander verzahnt war, wie es andernorts oft zu finden ist. Ganz anders in Cornberg, wo das Kloster über 700 Jahre, der Ort hingegen nicht einmal 70 Jahre Geschichte vorzuweisen hat. Selbst beim Vorbeifahren fällt auf, dass sich dieser Ort von anderen Dörfern in der Region erheblich unterscheidet. ImageHier finden sich weder die üblichen Fachwerkhäuser noch Bauernhöfe, die sonst überall dominierend sind. Worin besteht nun das Geheimnis der hellen Reihenhäuser, die sich am Hang entlang ziehen? Cornberg ist eine Siedlung, die Ende der dreißiger Jahre am Reißbrett geplant wurde. Eine Kleinstadt mit 4000 Einwohnern sollte entstehen. Die Kriegspläne der Nazis weckten den Kupferschieferbergbau im Richelsdorfer Gebirge ab 1935 aus seinem Dornröschenschlaf. Kupfer wurde für Rüstungszwecke wie die Herstellung von Patronenhülsen und von Kampfflugzeugen gebraucht. Der Bergbau verlangte sprunghaft mehr Arbeitskräfte, die von der Region nicht gestellt werden konnten. Bei Kriegsbeginn waren 4.200 Arbeiter im Bergbau beschäftigt. Daher sollte die neue Siedlung Arbeitskräften aus allen Teilen Deutschlands attraktiven, modernen Wohnraum bieten und sie von Saar, Rhein und Ruhr oder aus Schlesien nach Hessen locken. Die Wahl für eine neue Siedlung fiel auf Cornberg, weil es zum Einen in verkehrsgünstiger Nähe zu den Schachtanlagen lag und zum Anderen 25 Hektar Land von der Domäne als Bauland zur Verfügung standen. Auch in anderen Dörfern wie Nentershausen, Sontra oder Solz entstanden neue Ortsteile für die Bergarbeiter. Hinweise auf Gipsvorkommen im Untergrund wurden ignoriert und im Jahr 1938 mit dem Bau der Häuser in Cornberg begonnen. Im Dezember 1939 zog die erste Familie ein, der bis Ende 1941 noch viele folgten. Zu diesem Zeitpunkt war erst die Hälfte der geplanten Siedlung gebaut. Weitere Arbeiten wurden jedoch eingestellt, da aufgrund der Kriegsereignisse Baustoffe knapp wurden. ImageDem unvollendeten, neuen Dorf, das zur Nachbargemeinde Rockensüß gehörte, fehlten noch die Gemeinschaftseinrichtungen. In den ursprünglichen Plänen war die Probstei als späteres Rathaus vorgesehen, was allerdings nie verwirklicht wurde. 1944 lebten bereits rund 2400 Menschen in dem neuen Dorf. Durch Flüchtlinge und Zwangsarbeiter stieg die Einwohnerzahl bis Mai 1945 auf etwa 5000 Menschen aus 20 Nationen an. Nach Ende des Krieges besetzten die Amerikaner Cornberg und beschlagnahmten die Siedlung. Ab November 1945 mussten alle Cornberger innerhalb kürzester Zeit ihre Habe zurücklassen und den Ort räumen. Aus der neuen Siedlung wurde ein Lager der Hilfs- und Aufbauorganisation der Vereinten Nationen zur Betreuung der Überlebenden des Nazi-Regimes. In dieser Einrichtung der UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration) fanden etwa 4000 Menschen aus Osteuropa einen ersten Anlaufpunkt. Vielen von ihnen drohte in der Heimat die Todesstrafe, deshalb beantragten sie die Auswanderung nach Kanada, USA oder Australien. Bedingung für die Ausreise war, dass die Antragsteller verheiratet waren. So kam es in der Zeit des UNRRA-Lagers zu über 400 Eheschließungen zum Teil auch mit Einheimischen. Erst im Juni 1949 durften die Cornberger wieder in ihr Dorf. Bis Mitte der fünfziger Jahre blieb der Bergbau Hauptarbeitgeber der Bevölkerung. Doch dann kam es 1955 zu Wassereinbrüchen in die bis zu 360 Meter tiefen Stollen. Gleichzeitig fiel der Weltmarktpreis für Kupfer, so dass viele Arbeitsplätze im Bergbau verloren gingen.

ImageMittlerweile hatte Cornberg 1954 die kommunalpolitische Selbständigkeit erlangt. 1956 wurde der Grundstein für eine neue katholische Kirche in Cornberg gelegt. Ende der fünfziger Jahre entstanden im Ort durch undichte Rohrleitungen Auswaschungen im Gips-Untergrund. Tiefe Löcher in den Straßen und Risse in den Häusern waren die Folge. Damals stand der Abriss des ganzen Ortes zur Diskussion. Da die Bevölkerung Cornbergs damals fast zur Hälfte aus Flüchtlingen bestand, stimmte das Land Hessen einer umfangreichen Sanierung zu, die erst 1974 abgeschlossen wurde. 1971 schloss sich Cornberg im Zuge der hessischen Gebietsreform mit der Nachbargemeinde Rockensüß zur Großgemeinde Cornberg zusammen. Ein Jahr später wurde Königswald eingegliedert. Ein Teil der Mietshäuser, die einst Besitz der Kurhessen Wohnungsbau-Gesellschaft waren, sind mittlerweile in Privateigentum übergegangen. Die verbliebenen 78 Mietwohneinheiten renovierte die Gesellschaft 1987. Die ersten Bewohner von Cornberg gründeten 1940 die Siedlergemeinschaft als Interessensvertretung, die bis heute aktiv ist.

Heute leben in Cornberg rund 1000 Menschen. Der Kupferschieferbergbau ist genau wie die Geschichte des Ortes im Sandsteinmuseum im Kloster Cornberg sehr anschaulich dargestellt, so dass für Interessierte ein Besuch in jedem Fall lohnenswert ist.

Aktuelles Wetter

Standortdaten

Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Hersfeld-Rotenburg
Höhe: 254 - 485 m ü. NN
Fläche: 23,36 km²
Einwohner: 1.600
Gemeinde: 3 Ortsteile
Dichte: 65 Einwohner je km²

Gemeindeverwaltung
Am Markt 8
36219 Cornberg

Gemeindeverwaltung

Öffnungszeiten:

Mo. – Fr.: 07:30 – 12:30 Uhr
Do.:
14:00 – 18:00 Uhr

E-Mail:
info@cornberg.de
Telefon:
05650 9697- 0
Fax
: 05650 9697-16

Bildergalerie

Image

Hier finden Sie interessante Bilder aus der Gemeinde.

Zur Bildergalerie

Infos für Neubürger

Impressum